Pünktchen erzählt aus ihrem Leben

Okay, okay. Dann sage ich jetzt eben auch mal was. Aber nur, wenn es schnell geht und ich gleich wieder ins Bett kann. Sonst könnt ihr das vergessen.

Also, ich wurde auf einem Bauernhof in der Nähe von Stuhr geboren. Eine Frau nahm meine Geschwister und mich mit zu sich nach Hause und gab eine Annonce in der Zeitung auf. Katz muss das nicht verstehen. Erst nimmt sie uns alle mit, dann will sie uns alle wieder loswerden.

Jedenfalls hat das Frauchen dann unter der angegebenen Nummer angerufen und gefragt, ob denn noch ein Katzenküken zu haben wäre. Eins? Da waren noch drei, und damit die freie Auswahl. Frauchen und Herrchen kamen dann mit dem Tragekorb dort an und sahen uns erst mal zu. Ich war gerade damit beschäftigt die Fensterbank von unnötigem Ballast zu befreien. Freie Sicht für alle Katzen! Habe mich gar nicht für die Leute interessiert. Schließlich kannte ich schon die Tricks, mit denen man uns in die Küche lockte, um dann einen von uns zu packen und in so 'ne Kiste zu stecken. Habe das mehrfach beobachtet, und keins meiner Geschwister wurde jemals wieder gesehen! Mein Bruder und meine Schwester ließen sich tatsächlich wieder reinlegen. Aber die Leute wollten MICH. Da mussten sie aber erstmal fangen mit mir spielen. Frauchen hat gewonnen. Zu gerne hätte sie auch noch meinen Bruder mitgenommen, aber das Herrchen hat gesagt dass zwei Katzen genug wären. Hihi, inzwischen sind wir zu Viert. Die andere Frau sagte noch mit besorgtem Blick, dass ich wohl gerne im Bett schlafen möchte. Frauchen meinte nur, das wäre bei ihr Bedingung. Hörte sich ja schon mal gut an.

Auf der Fahrt in mein neues Heim hat Frauchen mir dann viel erzählt. Was es alles zu spielen gibt, dass ich eine Spielgefährtin haben würde, und dass Frauchen mich immer lieben und beschützen würde. Und als wir endlich ankamen, hatte ich überhaupt keine Angst mehr. Es war so, als wäre ich nie woanders gewesen. Nur die Spielgefährtin hat mich drei Tage lang völlig ignoriert. Hat wohl geglaubt, ich seh' die nicht. Pah. Und dann plötzlich kommt die zu mir her und kriegt 'nen Waschanfall! Bäh, das mochte ich gar nicht. Ich kann mich schon alleine waschen! Aber zum Spielen kann Katz Deppi gut gebrauchen.

Nach meiner Kastration habe ich ein paar Gramm (Frauchen sagt Pfund dazu) zugenommen. Ich bin jetzt gut gepolstert. Schade, dass der Maler Rubens nicht mehr lebt. Der hätte sich darum gerissen mich malen zu dürfen. Aber Frauchen sagt immer, wenn ich so weitermache, können wir bald die Klamotten tauschen. Dabei trägt die überhaupt keinen Pelz. Und außerdem: Wer im Glashaus sitzt... Und dann soll ich auch noch auf meine Klamotten aufpassen, sagt sie. Wenn ich mich mit Teddy kloppe, ruft sie immer: "Reißt euch keine Löcher in die Jacken, von mir kriegt ihr keine Neue. Pelz ist teuer!"

Manchmal nennt Frauchen mich "Angstkatze". Ich bin nämlich ganz furchtbar schreckhaft. Bei jedem lauten Geräusch verschwinde ich unters Bett. Am schlimmsten finde ich die Haustürklingel und den Staubsauger! Eigentlich erschreckt mich sogar der kleinste Pups. Ab und zu nennt sie mich auch "Wachkatze". Ich kann knurren wie ein Hund, was ich mit Vorliebe nachts beweise, wenn jemand das Treppenhaus betritt. Frauchen knurrt dann auch - damit ich wieder aufhöre.

In meinem vorherigen Leben muss ich Goldschmiedin oder Schmuckhändlerin gewesen sein. Ich liebe es meinen Leuten ihre Goldketten zu stehlen. Die trage ich dann stolz und breitbeinig durch die ganze Wohnung, und erfreue mich daran, wie alle suchen. Ich nehme aber auch schon mal Frauchens Kreolen, wenn keine Kette zu haben ist! Diese Angewohnheit von mir lässt auch die Vermutung aufkommen, dass ich eigentlich eine Elster werden sollte. Wahrscheinlich waren die Federn nur gerade aus, und ich habe ein Fell bekommen. Frauchen hat mir versprochen, dass sie mich mal zum Juwelier mitnimmt. Während sie sich alles ansieht, darf ich in der Schaufensterauslage auf sie warten...

Vielleicht sollte ich euch noch beichten, dass ich unwahrscheinlich gerne Streit mit Teddy anfange. Und wenn der sich dann wehrt, lasse ich wieder mein Hundeknurren hören und verstecke mich hinter Frauchen - oder, falls nicht greifbar, unter dem Bett.

So, das hat ja nun viel länger gedauert, als ich dachte. Gehe dann mal wieder ins Bett. Gefuttert hab' ich ja schon.

Grüße an alle meine Freunde, eure Pünktchen